Dänemark II

Gegen Mittag bezogen wir unsere Ferienhäuser. Moooment, nein. Es waren Ferienwohnungen. Appartements, die ähnlich denen in einem Motel, wie man es aus amerikanischen B-Movies kennt, die auf zwei Etagen in einem U-förmigen Gebäude untergebracht waren. An und für sich war das ein toller Plan. Aber anscheinend waren wir die erste Abituriententruppe, die diese Siedlung besuchte (es war jedes Jahr die erste und letzte Truppe, die eine Siedlung besuchte, weil anschließend nie wieder jemand dort hinfahren durfte) und der Geschäftsführer kann nicht wirklich über die Konsequenzen nachgedacht haben, sonst hätte er uns sämtliche Appartements überlassen und keine Familien mit Kindern zwischen die Kiffer von Gymnasium A und die Komasäufer von Gymnasium B untergebracht.
Keine Stunde waren wir da, da brannten die ersten Feuerchen am Strand, flogen die ersten Gartenstühle von Balkonen und waren sämtliche Gläser aus den kleinen Appartementküchen zerbrochen. Ich teilte mir die Wohnung mit meinen zwei besten Freundinnen und drei weiteren guten Freunden. Statt wie 90% aller Anwesenden 24/7 im Dauerrausch zu verbringen, pflegten wir die Trinkkultur und begannen den Spaß täglich um 14 Uhr mit Pernod-Cola. Ich war damals keine wirklich erfahrene Pernod-Trinkerin und dachte mir nichts dabei, die Flasche im Kühlschrank zu lagern. Als das Gesöff aber im Glas anfing zu flocken, dachte ich mir schon etwas dabei und verfasste in Gedanken schon einen Beschwerdebrief an den örtlichen Edeka-Markt, weil der mir abgelaufenen Scheiß verkauft hatte.
Allabendlich gab es dann ein lustiges Zusammentreffen am Strand. An besagten Lagerfeuern. Während die anderen sich ihre Dosen Bier (und Paderborner!) unter den Arm klemmten, nahm ich mir meinen Jägermeister.
"Ich sauf Euch alle untern Tisch!" Ja, bescheiden war ich schon damals nicht. Es dauerte keine Stunde und meine Pulle war leer. Ich war bedacht darauf, möglichst schnell zu trinken, weil ich einfach keinen Nerv mehr hatte, die olle Flasche mit mir rumzuschleppen. Alles war gut. Ich war gut drauf und mir war kaum schwindelig. Dann aber schlug mir jemand mit einem Bosch-Hammer gegen den Hinterkopf, so dass ich die Vögel zwitschern hören glaubte. Aber nein, es war nur der blöde Hirsch, der sich einen Spaß gemacht hatte und mir so richtig in den Arsch getreten hatte. Mit Müh und Not schleppte ich mich in unser Zimmer und auf die Toilette. In diesem Fall hilft bei mir nur eins: raus mit dem Scheiß! Diese Rechnung hatte ich allerdings ohne meine Mitbewohner, die Hobbyfilmer, gemacht. Die hatten nämlich nichts Besseres zu tun als mich dabei auf Magnetband zu bannen, während ich mir die letzte Stunde noch einmal schön durch den Kopf gingen ließ. Wo Gelächter ist, da ist was los. Das dachten sich so einige und ich weiß nicht, wie viele Zuschauer ich am Ende hatte, während ich da mehr mit der Kloschüssel als mit irgend jemand anders sprach.

Fortsetzung folgt...

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