Schützenfest

Als Prolog zu diesem Beitrag sei Euch dieser Artikel ans Herz gelegt. Er ist zwar sehr lang, aber wer sich die Zeit zum Lesen nimmt und im besten Falle noch vom Land kommt, wird es nicht bereuen. Für die Städter: so ist das bei uns aufm Land.

Schützenfest. Ja, wie schon mehrmals erwähnt war das früher immer das Highlight des Jahres. Da wurde drauf hin gefiebert. Dafür wurde das Taschengeld gespart. Da war jeder für ein Wochenende wieder auf Du und Du, um am Dienstag beim EDEKA wieder Frau Kaiser oder Herr Heinze zu sein.

Mit den Jahren verlagerte sich das hauptsächliche Interesse vom Autoscooter weg zum Bierzelt hin. Da muss ich so 15 gewesen sein. Im biertrinkfähigen Alter, zu allen Schandtaten bereit, in der Blüte meiner Jahre. Der Vorteil, wenn man auf dem Dorf wohnt, ist ja, dass einen jeder kennt und dass die Hälfte aller Anwesenden irgendwie mit Dir verwandt ist. So kannst Du allein irgendwo hingehen, bist aber nie allein. Das Standardprogramm fürs alljährliche Schützenfest sah also vor:

- freitags Abends aufs Zelt und mit den Altschützen (55+) Schützenfestbier zu lausiger Volksmusik von der Platte schunkeln
- samstags Kinderschützenfest, Umzug (frei saufen!), umziehen, abends aufs Zelt und mit Schützen und gemeinem Volk alle möglichen Getränke zwitschern und zu Musik von entweder der Wolfgang Petry Coverband oder den Oberbayrischen Jodlerseppis schwofen
- sonntags morgens Eier essen bei dem Deppen, der zuerst 'hier' geschrieen hat, mittags zum Umzug, abends zum Sternmarsch, zur Verkündung des neuen Könifs und anschließend aufs Zelt und weitere Gehirnzellen vernichten
- montags Katerfrühstück im Zelt, Umzug zum neuen König (wieder Freibier!), den Nachmittag an der Bratwurstbude überbrücken und abends dann den Supergau im Zelt mitmachen und sich daran freuen, wie schön es doch wieder war

Das klingt jetzt alles sehr generisch, aber doch war es immer wieder anders (und in den letzten Jahren leider immer schlechter). Ein Jahr ist mir noch sehr lebhaft in Erinnerung. Ich hatte mich nach einem Intermezzo in der Sektbar irgendwie an der Lüttje Lage Theke festgebissen, die bei uns von der Biertheke getrennt ist (die wissen schon, warum) und die berüchtigten langen Meter machten die Runde. 50, 100, 150 Gläser galt es zu vernichten. Und kein Ende in Sicht. Anfangs schmeckt mir dieses Starkbier mit Korn ja gar nicht. Aber mit jedem Glas wird es besser. Bis ich den Hals nicht mehr vollkriege.
In diesem Jahr also hatte ich richtig das U-Boot voll und kam mehr schlecht als recht nach Hause. Der Weg war auch gleich drei Mal so lang wie sonst. Torkeln ist ja noch okay, Restalkohol auch, aber was tun, wenn der Körper den Alkohol nicht mehr beherben will? Ich kenne da nur eine Möglichkeit: raus damit! In diesem Fall schaffte ich es leider nicht mehr bis zur Toilette. Ganze drei Mal ließ ich mir die Lüttje Lage noch einmal durch den Kopf gehen bevor ich die rettende Kloschüssel erreichte. Auf die Schnelle fiel mir nichts Besseres ein als das Desaster einfach mit dem Staubsauger aufzusaugen. Ging ganz gut. Dass sich der Gestank aber ganz schön in dem Gerät festsetzt, merkte ich die darauffolgenden Wochen und Monate.
Was meine Mutter sehr erfreute, war die Tatsache, dass eine meine Attacken genau den Spalt zwischen Treppengeländer und Wand traf. So hatten schließlich auch die Paneele an den Wänden im Erdgeschoss was von der Lüttjen Lage.
Ich bin inzwischen auf die Kinderversion mit Korn und Fanta (in Fachkreisen gerne Moped genannt) umgestiegen. Da passiert mir sowas nicht mehr.
Zingtoh - 19. Jul, 23:20

Kenn ich irgendwo her ... hehe und danke , das war der Hinweis auf meinen Soundtrack zum Wochenende *lacht* es gibt da so ne Platte von Faith no more ...

500beine - 20. Jul, 15:54

ein moped trinken.
das merk ich mir.
schön.

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